Die Priester-WG

Seit einem Jahr leben die Priester Christoph Werecki, Maximilian Strozyk und Sven Christer Scholven in einer Wohngemeinschaft im Bistum Essen. Gemeinsam kochen, einfach mal quatschen oder sich zurückziehen, wenn es sein muss – für die drei jungen Männer ist die WG die perfekte Lebensform.

Christoph Werecki legt die geschälte Zwiebel auf das rote Plastikbrett, setzt das Messer an, stutzt kurz. „Haben wir nicht sogar einen Zwiebelschneider? Wo ist der nochmal?“, fragt er. „Da unten links im Schrank“, antwortet Maximilian Strozyk und zeigt auf eine der weißen Holzfronten. „Wenn man drei Küchenhaushalte zusammengeführt hat, muss man eben manchmal noch überlegen, was man wo hat“, sagt er. Seit rund einem Jahr wohnt der 32-Jährige mit Christoph Werecki und Sven Christer Scholven in einer Priester-Wohngemeinschaft in Mülheim-Winkhausen.

Wohnbereich für alle, Privatbereich für jeden

Gemeinsam leben sie auf auf zwei Etagen. „Vor uns haben zwei ältere Brüder einer Pallottinergemeinschaft hier gewohnt, haben die Gemeinde aber verlassen und sind ausgezogen“, erklärt der 41-jährige Scholven. „Ich habe durch meine Arbeit mitbekommen, dass das Haus leer stand, dann entstand die Idee zu einer Wohngemeinschaft.“ Als Priester des Bistums Essen kannten sie sich bereits, waren sich schnell einig: Zusammen zu wohnen, das könnte passen. Nach dem Auszug der Pallotiner setzten sie sich zusammen, überlegten genau, wie sie die Räume nutzen wollen. Mauern wurden versetzt, Böden gereinigt, Wände weiß und bunt gestrichen. Von einem langen Flur kommen sie nun rechts in das Wohnzimmer, Esszimmer und die Küche. Die Glastür am Ende des Flurs führt zu einer kleinen Terasse mit Gemüsegarten. Auf der linken Seite haben die Männer ein Gästezimmer und einen Gemeinschaftsraum eingerichtet, der Wohnraum wird auch oft zum Arbeitsraum. „Hier hat jeder von uns Platz für Besuch, Messdienerleiterrunden oder Menschen, die zur Seelsorge zu uns kommen“, sagt der 33-jährige Werecki.

Im ersten Stock des Hauses hat jeder der drei Männer ein eigenes Schlaf- und Arbeitszimmer sowie Badezimmer auf jeweils rund 30 Quadratmetern – genug Platz, um sich zurückzuziehen. Neben einer kleinen Bibliothek ist das Herzstück des Hauses eingerichtet: Die Kapelle. Vor dem hellen Holzaltar stehen vier Hocker, die früher dunklen Holzwände und Giebeldecke haben sie weiß gestrichen. „Hier treffen wir uns jeden Morgen zu einem kurzen Gebet“, erklärt Strozyk. „Das ist für uns ein wichtiger gemeinsamer Start in den Tag.“ Das Leben in der Wohngemeinschaft bedeutet für die jungen Männer vor allem auch, sich über Alltag und Beruf auszutauschen. „Das ist etwas Anderes, als nur in der Gemeinde darüber zu sprechen“, sagt Strozyk. „Es ist schön, wenn einfach jemand zu Hause ist, mit dem man nach der Arbeit nochmal eine Runde um den Block spazieren und quatschen kann.“

Zusammen zu Konzerten oder ins Kino

Jugendseelsorge, Ministrantenpastoral oder die Arbeit als Kaplan und Pfadfinderkurat: Auch Gespräche über ihre unterschiedlichen theologischen Fachbereiche seien in der WG eben ganz anders möglich, sagt Werecki. Geburtstage und Weihetage feiern die drei Männer oft zusammen, auch an Weihnachten oder Ostern sind sie meistens zuhause, bevor Jeder zu seinen Eltern oder Geschwistern in die Nachbarstädte oder nach Schleswig-Holstein fährt. Gerade an den katholischen Feiertagen sind die drei Priester natürlich auch in Gottesdiensten im Einsatz. Bekanntenkreise aus dem Bistum Essen überschneiden sich bei allen dreien, die Freundeskreise sind unterschiedlich. Einmal im Monat haben sie einen Gemeinschaftsabend nur für die WG festgelegt, auch zu Konzerten oder ins Kino gehen sie oft zusammen.

Auf der Küchenuhr ist es kurz vor eins. Sie hat die Form eines rosa Schweins. Direkt daneben schneidet Maximilian Strozyk eine rote Paprika - auf einem rosa Schweine-Brettchen. Wer der Tier-Fan ist? „Das bin dann wohl ich“, gibt Strozyk zu und lacht. „Bei solchen Dingen muss man sich natürlich einigen und vorher absprechen. Die Uhr hat mir Sven aus Münster mitgebracht und wir waren alle einverstanden, sie aufzuhängen.“ Damit auch sonst alles rund läuft im WG-Leben, haben die drei Priester eine Zeit festgelegt, in der alle einmal die Woche zusammensitzen und Probleme ansprechen können. „Das ist wichtig, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass sich kein Frust anstaut“, sagt Scholven.

Die WG als Zukunftsmodell für flexible Priester?

Ob sie auch als Priester im Ruhestand noch gemeinsam wohnen? „Ich kann mir das gut vorstellen, jeder von uns hat hier trotz Gemeinschaft seinen Freiraum, das ist perfekt“, sagt Strozyk. Alle drei arbeiten in anderen Städten und Gemeinden, räumlich getrennt von ihrem Wohnhaus. In der pastoralen Arbeit flexibel zu sein, werde in Zukunft an Bedeutung gewinnen, ist sich Sven Christer Scholven sicher. Da biete sich ein solches Wohnmodell umso mehr an. Ein klarer Gegensatz zum allein lebenden Pfarrer mit Haushälterin – ein Wohnkonzept, das es im Ruhrbistum mittlerweile kaum noch gibt. „Die Kirche empfiehlt Priestern seit Jahrzehnten, zusammen zu wohnen, aber das kann man natürlich auch nicht erzwingen“, sagt er. „Es ist auf jeden Fall zukunftsfähig, aber nur für die, die das auch wollen und können“, sagt Werecki.

Sven Christer Scholven holt Teller, Gläser und Besteck aus der alten Holzkommode im Esszimmer und deckt den großen, modernen Tisch mit den bunten Stoffstühlen. Christoph Werecki stellt die weiße Schüssel in die Mitte – es gibt Gemüse-Paella. Nach einem kurzen Tischgebet wird das dampfende Mittagessen verteilt, dann besprechen die WG-Bewohner das gemeinsame Programm am späten Nachmittag: BVB-Fan Werecki hat für die WG eine Stadiontour in Dortmund gebucht. Denn auch wenn beim Fußball die Leidenschaft der drei Priester auseinander geht – Kompromisse sind selbst hier immer möglich.

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