Generalvikar Klaus Pfeffer: „Wir wollen reden und handeln.“

Bistum Essen will mit konkreten Veränderungen in zentralen Problemfeldern sexualisierte Gewalt verhindern

Generalvikar Klaus Pfeffer kündigt Reformen und Veränderungen an

Fünf zentrale Problemfelder kirchlichen Lebens sollen geprüft und verbessert werden

Öffentliche Beteiligung bei der Prüfung des "Systems Kirche"

Untersuchen, bewerten, verändern: So will das Bistum Essen mit den Erkenntnissen aus der Studie zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen („MHG-Studie“) umgehen. In einem Schreiben an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums kündigte Generalvikar Klaus Pfeffer in der vergangenen Woche zwei große Schritte an, mit denen man im Ruhrbistum Reformen und Veränderungen verbindlich in die Wege leiten wird. Der erste Teil dieses Konzepts umfasst fünf zentrale Problemfelder kirchlichen Lebens, die im Bistum Essen in Eigenverantwortung des Bischofs in einem überschaubaren Zeitrahmen geprüft und verbessert werden sollen. Dazu gehören Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt, die Stärkung der persönlichen Reife in der Ausbildung von Priesteramtskandidaten sowie die Suche nach Maßnahmen zur Verbesserung des Berufs- und Alltagslebens der Priester, Transparenz in der Personalarbeit für das seelsorgerliche Personal und nicht zuletzt die historische und systematische Aufarbeitung des früheren Umgangs mit sexualisierter Gewalt. Seit dem Jahr 2010 werden im Bistum Essen Vorwürfe sexualisierter Gewalt systematisch geprüft.

Im zweiten Schritt sollen unter öffentlicher Beteiligung all jene Faktoren im „System Kirche“ auf den Prüfstand gestellt werden, die nach den Einschätzungen der MHG-Studie sexualisierte Gewalt begünstigen. Dabei geht es um Fragen der Sexualmoral, um das Selbstverständnis des Weiheamtes, Machtfragen und Geschlechtergerechtigkeit – um Themen also, die weit über das Ruhrbistum hinaus in der katholischen Kirche kontrovers diskutiert werden. Darum sollen Impulse aus den Debatten im Ruhrbistum auch in den geplanten synodalen Weg der bundesdeutschen Kirche einfließen. „Vorrangiges Ziel ist es aber, konkrete Veränderungen für das Ruhrbistum zu benennen, die unabhängig von den ‚großen‘ Themen sind, die nur auf nationaler oder weltkirchlicher Ebene zu klären sind“, sagt Generalvikar Pfeffer zu den Plänen.

Bischof Dr.Franz-Josef Overbeck hatte in seinem Wort zum 1. Januar 2019 angesichts eines „dramatischen Glaubwürdigkeitsverlustes“ der Kirche bereits einen Veränderungsprozess für das Bistum Essen in Aussicht gestellt: „Unabhängig davon, was wir nur mit den übrigen deutschen Diözesen oder der Weltkirche tun können, will ich in unserem Bistum den begonnenen Weg fortsetzen und konkrete Handlungsoptionen für uns entwickeln“, schrieb Overbeck.

Nun sollen eine Steuerungsgruppe und thematisch arbeitende Projektgruppen einen konkreten Veränderungsprozess unter Leitung von Generalvikar Pfeffer voranbringen. Verlauf und Ergebnisse werden von einer Resonanzgruppe beobachtet und evaluiert, so dass der Prozess aus unterschiedlichen, unabhängigen Perspektiven bewertet werden kann. In allen Gruppen arbeiten externe Beraterinnen und Berater mit.

Angesichts des Vertrauens- und Identitätsverlusts der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche, der Ungeduld und der scharfen Proteste in Pfarreien, Gruppen und Verbänden stellt Generalvikar Pfeffer konkrete Ergebnisse in Aussicht: „Wir wollen reden und handeln. Es werden Konsequenzen erarbeitet, die im Bistum Essen umgesetzt werden. Weitere Ergebnisse werden öffentlich in den synodalen Weg der deutschen Kirche eingespeist, weil wir natürlich auch einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Kirche in Deutschland und weltweit leisten wollen.“ Allerdings, so Pfeffer, müsse man in kontrovers diskutierten Fragen in Zukunft wohl auch regional unterschiedliche Lösungen in Betracht ziehen. Die Einheit der Kirche setze auch eine Vielfalt voraus, die den unterschiedlichen Kulturen in einer weltweiten Kirche gerecht werde.

Referentin im Stabsbereich Strategie und Entwicklung

Dr. Andrea Qualbrink

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Persönlicher Referent des Generalvikars und Leiter des Stabsbereichs Strategie und Entwicklung

Markus Etscheid-Stams

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